Experten über Lernen am Arbeitsplatz: Das verändert sich bis 2026
Blog | Vision
KI macht Lernen schneller. Das hören wir überall. Doch wer genau hinschaut, erkennt etwas anderes: Lernen verschwindet langsam aus dem Blickfeld. Ganz wörtlich. Nicht, weil es an Wert verliert, sondern weil es immer weniger als eigenständige Aktivität erkennbar ist.
Mitarbeitende nehmen weniger Trainings außerhalb ihrer Arbeit wahr. Stattdessen lernen sie während der Arbeit: im Onboarding, im Austausch mit Kolleginnen und Kollegen oder genau in dem Moment, in dem sie feststecken und eine Entscheidung treffen müssen. Der Lernprozess verlagert sich vom Klassenzimmer und von Lernplattformen direkt an den Arbeitsplatz.
In Richtung 2026 verändert Lernen damit grundlegend seinen Charakter. Es löst sich von geplanten Momenten und wird zu kontinuierlicher Unterstützung – mit Technologie, die meist unsichtbar im Hintergrund wirkt. Weniger Fokus auf Content, mehr auf Handeln. Weniger Suchen, mehr Finden. Weniger generisch, zunehmend persönlich.
In diesem Blog bündelt Hans Koekkoek die Perspektiven von Expertinnen und Experten darüber, was das für Lernen, Onboarding und Wissensaustausch bis 2026 bedeutet.
Wissen zur richtigen Zeit, für die richtige Person
Expertenperspektive: Menno Lanting
Hyperpersonalisiertes Lernen wird bis 2026 zum Standard
Menno Lanting gilt als einer der führenden Experten für die Auswirkungen schneller Veränderungen auf Leadership, Innovation und unsere Art zu arbeiten. Laut dem Gewinner des Managementboek van het Jaar verschiebt sich Lernen von generischen, angebotsgetriebenen Programmen hin zu Echtzeit-Maßanfertigung. KI macht es möglich, Lernerfahrungen kontinuierlich an Rolle, Vorwissen, Verhalten und Kontext anzupassen.
Für neue Mitarbeitende bedeutet das: Onboarding besteht nicht länger aus festen Programmen, sondern aus gezielter Unterstützung genau dann, wenn du sie brauchst. Keine Informationsflut zu Beginn, sondern genau die richtige Microlearning-Einheit oder praktische Simulation im Arbeitskontext.
Auch Wissensaustausch verändert sich. KI hilft dabei, implizites Wissen – etwa Erfahrungen und praxisnahe Lösungen – zu erfassen, zu strukturieren und zum richtigen Zeitpunkt bereitzustellen. Das beschleunigt Lernen und macht Organisationen agiler.
Von Lernen als Aktivität zu Lernen als Infrastruktur
Expertenperspektive: Peter Hinssen
2026 wird Lernen von einer Aktivität zu einer Infrastruktur
Peter Hinssen (Siehe Foto) ist ein weltweit anerkannter Experte und Keynote-Speaker für Innovation, Technologie und Leadership. Laut dem Bestsellerautor liegt die wichtigste Veränderung bis 2026 darin, Lernen nicht länger als etwas zu betrachten, das man über Trainings, Onboarding-Programme oder separate LMS organisiert. Stattdessen wird Lernen direkt in die tägliche Arbeit integriert – mit KI als stillem Copiloten im Hintergrund.
KI wird dabei nicht zur Lernplattform, sondern zu einer kontextsensitiven Wissensschicht, die mitdenkt, zusammenfasst und Orientierung gibt, wenn jemand nicht weiterkommt. Das verändert Onboarding grundlegend: weniger Erklärungen im Voraus, mehr Begleitung in Echtzeit.
Das größte Risiko sieht Hinssen klar: Organisationen, die KI auf eine schnellere Suchmaschine reduzieren, arbeiten zwar effizienter, aber nicht klüger. Die eigentliche Herausforderung ist nicht, Wissen verfügbar zu machen, sondern Menschen zu befähigen, Urteile zu fällen, Zusammenhänge zu erkennen und bessere Fragen zu stellen – in einer Welt voller Antworten.
Lernen als Muskel, nicht als Checkliste
Expertenperspektive: Elke Geraerts
KI stärkt Lernen nur, wenn Menschen bewusster denken lernen
Laut Neuropsychologin und Better Minds at Work-Gründerin Elke Geraerts wird Lernen bis 2026 von freiwillig zu gezielt, weil KI nicht mehr nur Content anbietet, sondern Verhalten und Kontext versteht. Das macht Onboarding schneller und Wissensaustausch fließender.
Doch der eigentliche Hebel ist nicht technologisch. Rund 70 % des Lernens findet informell am Arbeitsplatz statt. KI kann das verstärken – vorausgesetzt, Menschen lernen, bessere Fragen zu stellen, Zweifel zuzulassen und kritisch zu denken.
Die Gefahr ist klar: Technologie ohne Kultur, psychologische Sicherheit und Eigenverantwortung führt zu oberflächlichem Lernen. KI ersetzt Wissen nicht, sondern schafft kognitiven Freiraum. Der echte Vorsprung entsteht dort, wo KI mit menschlichem Mut und kritischem Denken verbunden wird. Dann wird Lernen wieder ein Muskel – kein Abhakpunkt.
Von Push zu Pull, von Suchen zu Finden
Expertenperspektive: Steven van Belleghem
Bis 2026 verschiebt sich Lernen von Push zu Pull – und von Suchen zu Finden
Laut dem flämischen CX-Experten und Nexxworks-Mitgründer Steven van Belleghem werden Lernen, Onboarding und Wissensaustausch nicht länger durch feste Trainings oder „gepushte“ Inhalte gesteuert. KI sorgt dafür, dass Mitarbeitende genau das erhalten, was sie in diesem Moment brauchen. Personalisierung wird endlich Realität: Du stellst eine Frage und bekommst sofort eine relevante, kontextbezogene Antwort.
Das macht Lernen schneller, kontinuierlicher und natürlicher. Die Falle liegt darin zu glauben, KI sei die ganze Geschichte. Technologie übernimmt vor allem den operativen Teil – Erklärungen, Prozesse und Grundlagenwissen – und verändert damit die Rolle menschlicher Interaktion.
Weniger Wiederholung, mehr echte Begegnung. Mehr Raum für Vertrauen, Zusammenarbeit und Kultur. Kluge Organisationen lassen KI die Arbeit erledigen, damit Menschen sich auf Verbinden und Orientierung geben konzentrieren können.
Wissen ist nicht dasselbe wie Verstehen
Expertenperspektive: Christian Kromme
2026 wird nicht Wissen, sondern Verstehen zum entscheidenden Faktor
Der international anerkannte Futurist und Autor Christian Kromme betont den Unterschied zwischen Wissen und Verstehen. KI weiß immer mehr: Sie hat direkten Zugriff auf nahezu alles Wissen und kann es extrem schnell strukturieren und anwenden. Doch Verstehen erfordert etwas anderes – menschliche Einsicht, Erfahrung, Kontextgefühl und Bewusstsein.
Das verändert Lernen grundlegend. Es geht nicht mehr primär um Fakten oder Hard Skills, sondern um Urteilsvermögen, Reflexion und Empathie. Auch Onboarding wandelt sich: weniger Fokus auf Systeme und Informationen, mehr Aufmerksamkeit für Kultur, Werte und zwischenmenschliche Dynamik.
Das Risiko besteht darin, Wissen mit Verstehen zu verwechseln. Dann werden Organisationen technologisch klüger, aber menschlich ärmer. Genau deshalb wird menschliches Urteilsvermögen bis 2026 wichtiger denn je.
Von Standardprogrammen zu personalisiertem Lernen
Expertenperspektive: Tim Segers
2026 geht es beim Lernen nicht um Standardprogramme, sondern um Maßarbeit
Mit über zehn Jahren Erfahrung im EdTech-Bereich unterstützt Tim Segers Organisationen beim Wachstum durch Lernlösungen mit starkem Fokus auf Skills und Mindset. Laut dem Managing Director Netherlands von Goodhabitz verschieben sich Lernen und Onboarding bis 2026 hin zu personalisierten Lernpfaden. Keine festen Programme mehr, sondern Wege, die sich an dich, deine Rolle und deine Lernweise anpassen.
KI hilft dabei, Wissen schneller zu finden, interne Expertise zugänglich zu machen und dich im richtigen Moment mit Microlearning zu unterstützen.
Gleichzeitig warnt Segers vor einem zu starken Fokus auf Technologie. KI ersetzt den menschlichen Faktor nicht. Kultur und Führung lassen sich nicht automatisieren – sie geben Richtung und Sinn. Gerade deshalb werden Human Skills wie kritisches Denken und Empathie noch wichtiger.
Technologie kann Lernen smarter und angenehmer machen – aber Lernen bleibt Menschenarbeit.
Die kritische Note: Lernen ist kein Content
Expertenperspektive: Ger Driesen
Lernen selbst verändert sich nicht – nur die Mittel darum herum
Laut dem internationalen Keynote-Speaker und Mitgründer der Challenge Leadership Development Academy Ger Driesen ändert sich bis 2026 am Lernen selbst wenig. Lernen bedeutet, neuronale Verbindungen aufzubauen und zu stärken. Was wir oft Lernen nennen, ist in Wirklichkeit Instruktion, Content-Konsum oder Training – Mittel, nicht Lernen.
KI wird derzeit vor allem eingesetzt, um schneller Content zu produzieren. Dieser sieht oft besser aus, ist aber nicht automatisch wirksamer. Das Risiko: eine Flut schneller, mittelmäßiger Inhalte – neue Technologie, angewendet auf alte Muster.
Die echte Chance liegt darin, KI für neue, effektivere Lernansätze zu nutzen. Ansätze, die Lernen dort unterstützen, wo es wirklich stattfindet – oder manches Lernen sogar überflüssig machen.
Zum Schluss: KI braucht ein starkes Lernfundament
Expertenperspektive: Mujibor de Graaf
KI beschleunigt Lernen nur, wenn sie in ein starkes Lernfundament eingebettet ist
Mit über 30 Jahren Erfahrung in Online-Kommunikation, digitalem Lernen und digitaler Strategie unterstützt Mujibor de Graaf Organisationen dabei, effektiver zusammenzuarbeiten und Wissen zu teilen. Laut dem Co-Founder und CEO von Fellow Digitals liegt der Schlüssel bis 2026 nicht in einzelnen KI-Tools, sondern im Fundament darunter.
Organisationen experimentieren intensiv mit KI, doch ohne zusammenhängende Lernlandschaft bleibt die Wirkung begrenzt.
Ein zukunftsfähiges LMS ist kein Trainingsarchiv, sondern eine Lernumgebung, in der KI hilft, Wissen zu strukturieren, zu personalisieren und direkt im Arbeitsalltag anwendbar zu machen. KI ermöglicht es, vorhandenes Wissen schnell in zugängliche Lernerfahrungen zu übersetzen – genau dort, wo sie gebraucht werden.
Der wahre Wert entsteht, wenn KI in eine robuste Lerninfrastruktur eingebettet ist, die Menschen im täglichen Arbeiten unterstützt. Dann wird Lernen kein zusätzlicher Schritt, sondern ein selbstverständlicher Teil von Leistung.
Was Lernen 2026 wirklich erfordert
2026 wird keine KI-Revolution im Lernen sein, sondern eine Integrations-Revolution. KI beschleunigt und personalisiert – doch Lernen bleibt menschlich.
Organisationen, die Lernen als strategische Infrastruktur begreifen, verankert in Kultur, getragen von Neugier und gestärkt durch Technologie, schaffen nachhaltige Anpassungsfähigkeit. Dort, wo Mitarbeitende sich kontinuierlich weiterentwickeln und Wissen frei fließt, entsteht ein entscheidender Wettbewerbsvorteil. Diese Organisationen bewegen sich schneller, innovieren kraftvoller und verkürzen ihre Time-to-Market strukturell.
Vielleicht verändert sich Lernen weniger, als wir denken. Doch wie wir es gestalten, erleben und teilen, entscheidet darüber, wer künftig vorne liegt.
KI kann Lernen beschleunigen – Qualität macht den Unterschied Sieh, wie unser LMS sinnvolles Lernen unterstützt, eingebettet in den Arbeitsalltag.
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